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20. September 2012, Zwischenbericht der Gläubigervertreter zum Insolvenzantrag der DEIKON GmbH
 

Die Geschäftsführung der DEIKON GmbH hat am 03.09.2012 einen Insolvenzantrag wegen Überschuldung der Gesellschaft gestellt. Eine Durchführung des Insolvenzverfahrens im Wege der Eigenverwaltung ist dabei nicht vorgesehen. Stattdessen wurde der Weg über die sogenannte Regelinsolvenz gewählt.

Trotz des Rückzugs eines Investors, der zu der ad hoc-Mitteilung vom 14.08.2012 geführt hatte, kommt dieser Schritt aus Sicht der Gläubigervertreter überraschend. Er wäre zudem wohl vermeidbar  gewesen:

Bekanntlich hatten wir uns als gemeinsame Vertreter der drei Anleihen auf den letzten Gläubigerversammlungen für eine sogenannte Investorenlösung ausgesprochen, da im Gesellschafterkreis keine Einigkeit über die Restrukturierung der DEIKON GmbH bestand. Neben einigen „Schnäppchenjägern“ haben ernsthafte Investoren nicht bindende indikative Angebote abgegeben. Insbesondere mit einem Investor wurden konkrete Gespräche über einen sogenannten „Share Deal“, das heißt den Verkauf der gesamten Gesellschaft, geführt. Wie wir erst vor kurzem erfahren haben, bestand dieser Kontakt bereits seit mehr als zwei Jahren.

Leider hatten diese Gespräche zu keinen umsetzungsfähigen Ergebnissen geführt. Der Abschluss einer von dem Investor geforderten Exklusivitätsvereinbarung scheiterte unter anderem an der Uneinigkeit der Gesellschafter untereinander und der Frage, wer wann anfallende Kosten einer Due-Diligence-Prüfung (Risikoprüfung) zu tragen hat. Deshalb haben wir es als gemeinsame Vertreter ausdrücklich begrüßt, dass am 02.07.2012 mit Herrn Jürgen Akkermann ein ausgewiesener Restrukturierungsspezialist zum Geschäftsführer bestellt wurde. Herr Akkermann sollte den Verkauf aktiv steuern und so einen möglichst hohen Veräußerungserlös erzielen.

Der neue Geschäftsführer nahm die Verhandlungen mit dem obigen Investor wieder auf und berichtete über einen positiven Verlauf. Um die Umsetzbarkeit des in dem indikativen Angebot des Investors beschriebenen Restrukturierungsprozesses zu erleichtern und den Transaktionsprozess zu beschleunigen, sollten wir als gemeinsame Vertreter von einer noch einzuberufenden Gläubigerversammlung mit Vorabermächtigungen ausgestattet werden, die allerdings an enge Voraussetzungen geknüpft waren. Trotz der hiermit verbundenen Risiken haben wir uns mit diesem Vorgehen grundsätzlich einverstanden erklärt, um Verzögerungen bei der Umsetzung und hiermit verbundene Kaufpreisabschläge im Interesse der Anleihegläubiger zu vermeiden. Von diesem Konzept ausgehend hatten wir bereits einen gemeinsamen schriftlichen Bericht der Anleihegläubiger erarbeitet, der am 16.08.2012 hätte veröffentlicht werden sollen.

Am 14.08.2012 teilte der obige Investor dann für uns überraschend seinen Rückzug mit. Diesen begründete er unter anderem mit einer negativen medialen Berichterstattung sowie mit dem Umstand, dass ihm die DEIKON-Immobilien auch von dritter Seite angeboten worden seien.  Außerdem scheint es Kommunikationsprobleme hinsichtlich einer Umsetzbarkeit des Restrukturierungsprozesses gegeben zu haben.

Um die bilanzielle Überschuldung zu beseitigen und die Weiterführung der Verhandlungen mit anderen Investoren ohne Zeitnot zu ermöglichen, schlugen die Berater der Gesellschaft erstmals einen „dynamischen Rangrücktritt“ der Anleihegläubiger vor, der in einer noch einzuberufenden Gläubigerversammlung hätte beschlossen werden müssen. Die Anleihegläubiger wären mit ihren Forderungen in dem Umfang hinter die Forderungen aller übrigen Gläubiger zurückgetreten, der nach Verwertung der Immobilien unter Berücksichtigung der vorrangig besicherten Bankdarlehen ohnehin nicht hätte abgedeckt werden können. Nach intensiven Diskussionen haben wir als Gläubigervertreter der Gesellschaft signalisiert, einen solchen Schritt zur Vermeidung einer Insolvenz mitzutragen, falls die Gesellschafter sich verpflichten, die Gesellschaftsanteile für einen symbolischen Betrag von einem Euro abzugeben.

Diese Maßnahme konnte jedoch nicht mehr umgesetzt werden, da einzelne Banken den Restrukturierungsprozess nicht länger begleiten wollten. Dies nahm die Geschäftsführung zum Anlass, Insolvenzantrag zu stellen.

Hierzu hätte es nach unserer Auffassung indes nicht kommen müssen:

Bereits in der Vergangenheit hatten wir die Gesellschaft und ihre Eigentümer mehrfach dazu aufgefordert, für den Fall eines Scheiterns der Investorenlösung alternative Konzepte zur Beseitigung der bilanziellen Überschuldung vorzubereiten und umzusetzen. Hierzu gehörten insbesondere die Vorbereitung einer Umwandlung der Anleiheforderungen in Eigenkapital („sogenannter Debt-Equity-SWAP“) sowie ein partieller Rückkauf der Hypothekenanleihen und deren spätere Einziehung. Durch diese Maßnahmen hätte die Unterbilanz beseitigt, zumindest aber reduziert werden können. Leider wurden unsere diesbezüglichen Anregungen immer wieder ignoriert. Außerdem haben wir wiederholt die Vorbereitung eines Schutzschirmverfahrens nach dem neuen Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen („ESUG“) gefordert, um ein kostspieliges Regelinsolvenzverfahren zu vermeiden. Trotz wiederholter Nachfragen von unserer Seite wurden dahingehende Bestrebungen abgelehnt. Insbesondere wurden uns sämtliche Informationen mit Blick auf die Vorbereitung eines Insolvenzverfahrens verweigert.

Die Geschäftsführung hat im Rahmen des Insolvenzantrages weder einen Antrag auf Eigenverwaltung noch einen Antrag auf Durchführung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Dies halten wir für höchst problematisch, da die Weichen nunmehr auf eine Zerschlagung des Unternehmens mit hohen Verfahrenskosten und eventuell geringeren Verwertungserlösen gestellt sind.  Es ist zu erwarten, dass möglicherweise alleine für die Banken ein zusätzlicher Vorfälligkeitsaufwand i.H.v. ca. 10 Mio. anfallen wird. Auch wenn ein Insolvenzverfahren die Möglichkeit eröffnet durch einen unabhängigen Insolvenzverwalter die diversen Unstimmigkeiten der Vergangenheit, zu denken ist hier an die Rechtmäßigkeit des Swap-Geschäfts mit der Corealbank sowie deren grundpfandrechtliche Absicherung, die möglicherweise prospektwidrige Verwendung der Liquiditätsreserven und die Verfolgung von Sondervorteilen durch kündigende Anleihegläubiger, zu klären, werden mögliche zusätzliche Erträge hieraus die Kosten des Insolvenzverfahrens wohl kaum aufwiegen können.

Zwischenzeitlich ist auch ein vorläufiger Gläubigerausschuss bestellt worden. In diesem sitzen neben zwei Vertretern der Banken ein ehemaliger Geschäftsführer, ein Anwalt der Sozietät CMS, welche als Treuhänder fungierte, sowie Herr Heise als Vertreter der Anleihegläubiger.

Mit der Zusammensetzung des Ausschusses sowie der Art und Weise der Bestellung sind wir nicht zufrieden.  Die Gläubigervertreter der ersten und dritten Anleihe sind in den Auswahlprozess überhaupt nicht einbezogen worden. Ebenfalls wurde die SdK als größte Stimmrechtsvertreterin der Anleihegläubiger nicht angehört. Es ist insoweit sehr  bedauerlich, dass die Geschäftsführung weder einen Vertreter der ersten, noch der dritten Anleihe oder der SDK vorgeschlagen hat. Eine Vertretung von mehreren Anleihen wäre in dem Ausschuss auch deshalb sinnvoll, da die Zuordnung der Sicherheiten zu den einzelnen Anleihen zum Teil streitig ist. Entsprechende Anträge der Vertreter der ersten und dritten Anleihe sind vom Amtsgericht Köln aus wenig nachvollziehbaren Gründen  nicht berücksichtigt worden. Hiergegen sind keine Rechtsmittel möglich.

Nichtsdestotrotz setzen wir uns mit den uns zur Verfügung stehendenbeschränkten Mitteln dafür ein, Einfluss auf die weitere Umsetzung der Restrukturierung zu nehmen.  So unterstützen wir derzeit auch den Versuch eines Investors, die Geschäftsanteile der DEIKON GmbH für einen Euro von den Gesellschaftern zu erwerben. Dieser Investor beabsichtigt nach vollzogenem Erwerb eine Restrukturierung außerhalb der Insolvenz. Ob dies Erfolg haben wird, hängt von dem weiteren Verlauf der Gespräche mit den Banken, Gesellschaftern und dem vorläufigem Insolvenzverwalter ab.  Gesprächsbereitschaft wurde seitens der Gesellschafter signalisiert, so dass eine Restrukturierung außerhalb der Insolvenz noch möglich scheint. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Gespräche nunmehr unverzüglich aufgenommen werden sollten. Wir appellieren hier ausdrücklich an die UBS und deren Verantwortung als Hauptgesellschafter derartige Gespräche kurzfristig zu organisieren, um eine Restrukturierung außerhalb der Insolvenz ggf. noch umsetzen zu können.

Am 18. September 2012 fand ein erstes Gespräch mit dem vorläufigem Insolvenzverwalter, Herrn Dr. Ringstmeier, statt.  Entgegen der bisherigen Haltung der Berater der Gesellschaft wurde uns in diesem Gespräch signalisiert, dass wir über den Verlauf des Insolvenzverfahrens angemessen informiert werden sollen. Wir werden weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um einen möglichst hohen Verwertungserlös - sei es in- oder außerhalb eines Insolvenzverfahrens - für die Anleihegläubiger zu erzielen. Bei den diesbezüglichen Maßnahmen sind wir in unserer Rolle als Anleihegläubigervertreter jedoch auf die Mitwirkung  von Gesellschaft, Anteilseignern, Gläubigerversammlung sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter angewiesen.

Über die weiteren Entwicklungen werden wir zeitnah informieren.

Alexander Elsmann (Rechtsanwalt)
Carsten Heise (Rechtsanwalt)
Dr. Peter Dreier (Rechtsanwalt)

Kontakt:

Dreier Riedel Rechtsanwälte
Rechtsanwalt Dr. Peter Dreier
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40213 Düsseldorf
Tel: 0211 - 917 446 0
Mobil: 0172 - 217 15 15
E-Mail: pd@dreier-riedel.de

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